Besonders in Zeiten rasanter struktureller Veränderungen (forschreitende Digitalisierung und wachsender Onlinehandel) werden Werkzeuge benötigt, die die Entwicklungen der Umwelt permanent erfassen und den Status Quo der Handelslandschaft immer wieder neu bestimmen. Um die Handelsstandorte stärken zu können, müssen Städte und Kommunen ihre eigene Situation zunächst richtig erfassen. Dazu gehört auch, den Kunden bzw. das Kundenverhalten zu kennen. Wie auch Amazon oder andere erfolgreiche ‚Online-Unternehmen‘ seine Kunden genaustens analysiert, müssen Städte in den gleichen Kategorien denken und die technologischen Möglichkeiten entsprechend für sich nutzen. Die Analyse der Passantenfrequenzen ist in diesem Zusammenhang ein bedeutendes Instrument.

Passantenfrequenzen als Indikator zur Bewertung von Standorten

Passantenfrequenzen sind ein Indikator um die Qualität von Einkaufsstraßen und Standorten zu bewerten. Für Investoren, Unternehmer, Expansionsmanager und Existenzgründer stellen sie – neben weiteren Informationen wie beispielsweise gewerblichen Mietpreisen, Umsatzkennziffern, Kaufkraftpotenzialen und demographischen Daten – wichtige Entscheidungshilfen bei der Standortwahl dar. Die Umsätze von Einzelhandels- oder Dienstleistungsbetrieben sind zwar nicht ausschließlich und unmittelbar von den Frequenzen abhängig, jedoch gibt es einen unbestreitbaren Zusammenhang zwischen der Anzahl der Kunden im Geschäft und den Passantenströmen vor den Geschäften. Die so genannten 1-A Einkaufslagen sind jedoch aufgrund der verhältnismäßig hohen Mietpreise in vielen Städten und Kommunen des Landes nicht zwangsläufig die beste Option. Je nach Branche und Art des Betriebes wird bei der Standortentscheidung auf unterschiedliche Kriterien geachtet: So können beispielsweise bestimmte Zielgruppen unter Umständen in Einkaufslagen fernab der 1-A Lagen besser erreicht werden. Daher lohnt es sich, stets alle Alternativen im Blick zu haben.

Mehrwert für Städte und Kommunen

Neben Unternehmen und Investoren kann auch die Stadtentwicklung von den Passantenfrequenzdaten enorm profitieren. Mit der regelmäßigen Erfassung von Frequenzdaten wird das Informationsportfolio der Kommunen um ein weiteres aussagekräftiges Element ergänzt. Dabei soll es aber nicht bei einer reinen Informationsbeschaffung bleiben: Durch Aufbereitung der Daten können Kommunale Stadtmarketing,- oder Wirtschaftsorganisationen ggf. wichtige Handlungserfordernisse für die Stadt- und Handelsentwicklung ableiten. Die Frequenzdaten liefern nämlich detaillierte Informationen über die Handelslandschaft sowie deren Struktur. So kann zum Beispiel analysiert werden, welche (einzelhandelsbezogenen) Strukturveränderungen und Frequenzverschiebungen der Bau eines neuen Shoppingcenters nach sich zieht, welche Einflüsse Events, Veranstaltungen, Marketingmaßnahmen haben oder welche Auswirkungen Wetterverhältnisse und Jahreszeiten auf einen Handelsstandort haben. Ferner geben Passantenfrequenzen Aufschluss über die Entwicklung von Miet- und Immobilienpreisen. Diese stehen nämlich in einem engen Abhängigkeitsverhältnis zu den Frequenzen. Für Handelsimmobilien gilt in der Regel: Je höher die Frequenz, umso höher die Mietpreise.

Die Analyse der Frequenzdaten ermöglicht es nicht nur lokale Entwicklungen besser zu verstehen, sondern Entwicklungstendenzen besser zu antizipieren. Politik und Stadtverwaltung können sich damit bei zukünftigen Planungen und strategischen Entscheidungen auf eine weitere quantitative Datenquelle berufen. Weitere Akteure, wie Geschäftsverbände (Unions Commerciales) können ebenfalls von den Daten profitieren. Für sie kann es zum Beispiel interessant sein, wo „ihr“ Standort aktuell im Vergleich zu anderen Kommunen oder Stadtteilen steht und wie er sich in der Vergangenheit entwickelt hat. Um eine valide Vergleichbarkeit herstellen zu können, muss allerdings gewährleistet sein, dass die Rahmenbedingungen der Zählungen (Tag und Uhrzeit, Wetter- und Vor-Ort Bedingugnen, etc.) zumindest weitestgehend miteinander übereinstimmen.

Mehrwert für den Händler

Gerade in Zeiten, in denen der stationäre Einzelhandel zunehmend unter Wettbewerbsdruck gerät, sind Standortentscheidungen wichtiger denn je. Neben der neuen Standortkonkurrenz namens Onlinehandel sorgen auch die steigenden Mietkosten hierzulande dafür, dass es für den stationären Handel immer schwieriger wird, rentable Geschäftsflächen zu finden. Um das Risiko von längerfristigen Mietverhältnissen zu minimieren, müssen weitsichtige und vor allem datengestützte Entscheidungen auf Basis einer detaillierten Chancen-Risiko Abwägung getroffen werden. Passantenfrequenzen sind in diesem Zusammenhang ein wichtiger Faktor eines umfassenden Kriterienbündels bei der Standortwahl.

Potenziale

Große Verknüpfungspotenziale bieten sich insbesondere mit der neuen Handelsdatenbank ‚Cadastre du commerce‘. Die integrierte GIS-Technologie des Cadastres ermöglicht es, die Frequenzdaten – neben weiteren Handels- und räumlichen Planungsdaten – karthographisch darzustellen. Mit Hilfe eines Zeitraffer-Tools kann die zeitliche Entwicklung von Frequenzverschiebungen in bestimmten Zeiträumen – z.B. vor- und nach dem Bau eines neuen Shopping-Centers am Stadtrand – dargestellt werden. Daneben lassen sich auf Basis verschiedener Kriterien Einkaufslagen (Potenziallagen‘; 1-A; 1-B, Nebenlagen, etc.) in den Kommunen definieren. Zu den Kriterien zählen neben den Frequenzen auch der Branchenmix, die Flächenstruktur, der Filialisierungsgrad, die Dichte des Geschäftsbesatzes oder auch städtebauliche Qualitäten. Die definierten Einkaufslagen können als Basis zur Erarbeitung neuer PAGs und PAPs verwendet werden oder auch als integraler Bestandteil von Einzelhandels, -oder Zentrenkonzepten dienen. Derartige Tools können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Kommunen ihre eigene Situation besser erfassen können. In Anbetracht des immensen Innovationspotenzials (stetige Weiterentwicklung der GIS-Technologie, gepaart mit einer zunehmenden Verfügbarkeit von Geodaten) werden sich zukünftig weitere erkenntnisreiche Analysemöglichkeiten ergeben.