Luxemburg ist ein äußerst dynamischer Markt, der auch in Zukunft stark wachsen wird. Sowohl die Einwohnerzahl wie auch die Zahl der Grenzgänger steigen stetig und sorgen für Nachfragepotential. Dies auszuschöpfen erfordert allerdings ein Umdenken in zwei zentralen Bereichen: Der Handel muss die Verknüpfung von digitaler und physischer Welt weiter vorantreiben. Die Städte und Gemeinden sollten hier eine aktive Rolle spielen – nicht zuletzt aus der Motivation heraus, die Stadt der Zukunft als Lebens- und Arbeitsraum für alle Generationen zu gestalten.

Handel als Leitsektor und Frequenzbringer der Zukunft?

Als Zentrum des gesellschaftlichen Lebens werden unsere Städte ihrer traditionellen Rollen damit sicher auch in Zukunft gerecht. Inwieweit der Handel dabei weiterhin Leitsektor und Frequenzbringer sein wird, entscheidet sich schon bald: Die zukunftsfähige Stadt muss dazu effizientes Einkaufen möglich machen (Stichwort Nahversorgung), muss ihre Kunden kennen (Big Data), muss Lieferkonzepte entwickeln (zur Integration des digitalen Handels), muss das Erlebnis beim Einkaufen möglich machen (Offenheit für verschiedene Shoppingformate) und für eine hohe Aufenthaltsqualität sorgen.

So paradox es klingt, aber je mehr wir als Konsumenten in die digitale Welt eingebunden sind, umso mehr wächst die Sehnsucht nach physischer Nähe, nach Erleben, Riechen, Spüren. Städte sind Identitätsorte, sind kommunikative Räume. Die Stadt der Zukunft fördert das Zusammenfließen von Handel, Freizeit, Arbeit und Wohnen und wird der Ort der hybriden Lebenskonzepte.

Zukünftige Ziele gemeinsam abstecken

Damit Städte von heute auch in Zukunft bestmöglich aufgestellt sind, sollten sie die Entwicklungen in der Gesellschaft sowie der Lebens- und Konsumwelt im Blick haben – und das am besten koordiniert und professionell. Stakeholder müssen zusammenarbeiten, ihre teils verschiedenen Interessen abgleichen und ihr gemeinsames Interesse am Stadtzentrum mit (Shopping)Zukunft bekräftigen. „Entrepreneurs, property owners, municipalities and consumers all have an interest in the (retail) function of the city center, and these interests are not always the same. The municipalities play a leading role therein.“[1] Starkes Rudern hilft nicht, wenn die Richtung nicht stimmt. Oder anders gesagt: Engagement ist das eine, das Abstecken der Zukunftsziele das andere.

Es braucht eine Vision für die Stadt. Hier lohnt sich ein inspirierender Blick auf den Internetriesen Amazon, wo es zu zwei zentralen Schritten im Innovationsprozess des Unternehmens heißt: „Wir denken und handeln langfristig: stur in der Vision, aber experimentierfreudig in den Details bzw. auf dem Weg dahin.“ Und zweitens: „Wir stellen die Infrastruktur bereit, die andere befähigt, erfolgreich zu sein.“[2]

Koordinierte Standortvermarktung

Die Stadtvision ist Teil eines gezielten Entwicklungsprozesses, der die Koordination verschiedener Interessensgruppen der Stadt bzw. der Stadtgesellschaft (Bewohner, Tourismus, Kultur, Wirtschaft, Einzelhandel, …) integriert, wie auch letztlich die Stadtplanung, konkrete Projekte und Aktionen. Zwei Akteure sollten das „Große Ganze“ im Blick haben: die politischen Entscheider und jene, die mit dem professionellen Stadtmarketing betreut sind. Bei der Standortvermarktung geht es nicht ohne Koordination: Einheitliche Öffnungszeiten, W-Lan für alle (auch vor dem Hintergrund der Datengenerierung) und ähnliche Projekte stehen und fallen mit dem Engagement der zentralen Koordinationsstelle.

Die Zusammenarbeit von Stadt und Handel sowie den Akteuren der Stadtgesellschaft insgesamt darf nicht in den Kinderschuhen stecken bleiben, sondern muss auf Dauer selbstverständlicher Teil des Selbstreflexionsprozesses der Stadt sein – hin zu einer neuen, zeitgemäßen Form der Urbanität. Dabei steht letztlich nicht der Handel im Mittelpunkt der Stadtentwicklung, sondern der Kunde – mit seinen Bedürfnissen und Wünschen.

[1] Expert Group Future Retail City Center 2030, „What does the future city centre look like?“, 02, 2016, S. 4

[2] Erläuterungen von Markus Schöberl (Amazon) auf der ECC-Konferenz Köln, 2016.