Es ist ein an sich ruhiger Abend in Ettelbrücks Grand-Rue im November 2016: Die meisten Geschäfte haben bereits ihr Tagesgeschäft erledigt und sind geschlossen, nur die Nummer 105 ist hell erleuchtet. Im Innern drängen sich die Menschen. Es ist der Eröffnungsabend von „Taste of Africa“, einem Pop-Up-Store, der seine Produkte über die Adventszeit in einem zuvor leerstehenden Geschäftslokal anbietet.

Im Pop-Up-Store “Taste of Africa” gab es für interessierte Kunden viel zu entdecken – und natürlich zu probieren.

Zu probieren gibt es südafrikanische Delikatessen, in erster Linie Wein. Der schmeckt nicht nur den zahlreichen Freunden und Bekannten der Inhaber, sondern auch Vertretern der Stadt Ettelbrück, die froh sind, dass ein leeres Ladenlokal für kurze Zeit einen neuen Mieter gefunden hat. „Wir haben festgestellt, dass immer mehr Flächen leer standen und wollten die Spirale nach unten so schnell wie möglich aufhalten“, so Nathalie Ney, bei der Stadt Ettelbrück zuständig für Public Relations und Bürgerkommunikation. Außerdem kümmert sie sich in enger Abstimmung mit dem Schöffenrat um Fragen der Beziehung von Stadt und Handel.

Potential des Standorts zeigen

Wenn Markt- und Händlerkenntnis zusammenkommen, können derartige Projekte gelingen. Im Falle von Taste of Africa konnten die Inhaber die Fläche in der Weihnachtszeit als effizientes Marketing-Instrument nutzen, insbesondere, weil die Kundendatei dank des Engagements in Ettelbrück stark wuchs. Beheimatet ist das Unternehmen nämlich im weiter entfernten Moutfort. Inzwischen ist das Lokal übrigens wieder langfristig vermietet, u.a. auch, weil die Zwischennutzung das Potential des Standortes deutlich besser zeigt, als eine zugeklebte Leerfläche.

Die “Bitzstuff” machte in “Décke Buttik” ihre ersten Gehversuche. Inzwischen belegt sie eine große Fläche als Langfristmieter.

Ein existierendes Beispiel für gelingende Re-Vitalisierung des Stadtzentrums konnte man zuvor in Diekirch sehen: „Décke Buttik“ ist ein Pop-Up-Konzept, das Waren lokaler Produzenten anbietet – und zwar immer dort, wo gerade Geschäftsflächen leer stehen. Décke Buttik kam auch nach Ettelbrück. Hier zeigte sich schnell, welche Dynamik das Ursprungsprojekt entwickelte: Die „Bitzstuff“ (Strickwaren und Atelier) nutzte kurzfristig einen Teil der Fläche, um den Innenstadtstandort zu testen. Der Versuch überzeugte, so dass die Inhaberin das Ladenlokal komplett übernahm und inzwischen sogar nochmals auf eine größere Fläche in der Grand-Rue umziehen konnte. Dort ist nun auch Platz für das Atelier.

Die Fenster der bis dato leerstehenden Fläche sind schon mit dem Namen des neuen Kurzfristmieters beklebt.

Die damit wieder freigewordene Fläche nutzt in naher Zukunft ein Lederwaren-Händler, der bisher nur in der Stadt Luxemburg präsent war. „La Maroquinerie du Passage“ rückt damit näher zu den Kunden, die im Norden wohnen, andererseits möchte der Händler aber auch neue Kunden gewinnen. Dazu wird ein neues Konzept entwickelt, das speziell auf die kleine Fläche und den kurzen Mietzeitraum gemünzt ist: häufige Kollektionswechsel, um ein Maximum an attraktiven Produkten zeigen zu können und potentielle Kunden immer wieder zu überraschen, sowie eine innovative Inneneinrichtung mit kleinem Budget.

Marktkenntnis und positiver Unternehmergeist

Rat und Bürgermeister war schnell klar, dass die Gemeinde als vermittelnder Akteur weiter aktiv werden muss. „Auch, wenn nicht jeder Kontakt ein Treffer ist, so zahlt sich doch aus, dass viel Arbeit in die Auswahl und Ansprache von Immobilienbesitzern und potentiellen (Kurzfrist)Mietern gesteckt wird“, so Nathalie Ney. Es sind zaghafte Anfänge einer neuen Dynamik, die zeigen, dass man die immer komplexer werdende Beziehung von (Innen)stadt und Handel nur mit Marktkenntnis und positivem Unternehmergeist gestalten kann.

„Wir sehen uns als Tor zum Norden und möchten Händler für den Norden interessieren“, erklärt Nathalie Ney. Da die neuen Angebote komplementär zur existierenden Handelslandschaft seien, habe sie aus der Geschäftswelt nur positive Rückmeldungen bekommen. Jüngster Spross des neuen Ettelbrücker Geschäftsflächenmanagements wird übrigens das aus der Hauptstadt bekannte „Luxembourg House“ sein – quasi Luxemburgs Botschaft für kreative lokale Produkte.

Wenn Sie mehr über dieses und andere Stadtmarketing-Projekte der Stadt Ettelbrück erfahren möchten, kontaktieren Sie Nathalie Ney: nathalie.ney@ettelbruck.lu.