Stadt und Handel weisen seit Jahrhunderten enge Wechselbeziehungen und Synergieeffekte auf. Als traditionelle Orte des Handels und der Kommunikation nehmen die Stadtzentren seit je her eine ganz besondere Rolle ein: Hier entstanden beispielsweise die ersten Marktplätze, der Ursprung des städtischen Handels. Auch heute noch prägen sie das Bild vieler Städte und Gemeinden.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich stets neue Handelsformate, wie beispielsweise Markthallen und Warenhäuser. Letztere verbreiteten sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts von Paris ausgehend auch in Deutschland. Als weitere Formen des Handels entstanden später verkehrsberuhigte Einkaufsstraßen oder Fußgängerzonen. In Deutschland wurde die erste übrigens 1953 in Kassel eröffnet. Alle Handelsformen haben etwas gemeinsam: sie etablierten sich, zumindest in der Anfangsphase ihrer Entstehung, in den Herzen der Städte. Doch so historisch verwurzelt und robust die funktionale Verflechtung zwischen Stadt und Handel auch erscheinen mag, so ist sie seit dem letzten Jahrhundert zunehmend einer Zerreisprobe ausgesetzt.
Spätestens seit der Erschließung von neuen Handelsflächen auf der ‚Grünen Wiese‘ und damit der Abwanderung des Handels in die städtische Peripherie musste das Verhältnis zwischen Stadt und Handel neu diskutiert werden. Durch die massenhafte Verbreitung des Automobils waren Handelsstandorte fernab der Innenstädte für große Teile der Bevölkerung problemlos zu erreichen. Die Folge waren Umsatzverschiebungen von den innerstädtischen Handelslagen zu den neuen, großflächigen Handelsagglomerationen und Einkaufszentren an sogenannten nicht-integrierten Standorten, also Standorten außerhalb geschlossener Wohnbebauung.

Konzept der Einzugsbereiche überdenken

Mit dem Aufkommen des Online-Handels als neuer, virtueller Standortkategorie zeigt die Verflechtung von Stadt und Handel seit einigen Jahren weitere Lücken. Produkte können heutzutage aus den entlegensten Gebieten online bestellt und binnen absehbarer Zeit nach Hause geliefert werden. Räumliche Entfernungen treten dabei immer mehr in den Hintergrund. Infolge der neuen technologischen Möglichkeiten ergeben sich daher völlig neue Zielgruppen für den Handel. Die zunehmende Globalisierung des E-Commerce sowie neue Innovationen im Logistikbereich werden auch zukünftig zu einer Intensivierung von digitalen Handelsaktivitäten führen. Parallel dazu verschwimmen die klassischen Einzugsbereiche des stationären Einzelhandels zunehmend.

Verliert damit die Stadtentwicklung ihren Einfluss auf das Handelsgeschehen? Auch der Bau von großflächigen Einzelhandelsimmobilien vor den Toren der Stadt hat manche City schon überfordert und vor nahezu unlösbare Probleme gestellt. Was die Effekte der Digitalisierung und damit auch des digitalen Handels betrifft, so müssen Stadtentwicklungsfragen vor diesem Hintergrund diskutiert werden. Der Onlinehandel – in Luxemburg mit aktuell 9% Anteil am Gesamthandel noch recht überschaubar – wird wachsen. Online-Aktivitäten stoßen in Luxemburg prinzipiell auf fruchtbaren Boden: Laut einer Studie der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) aus dem Jahr 2016 sind die Rahmenbedingungen für Online-Shopping hierzulande sogar besser als in jedem anderen Land der Welt. Die vergleichsweise hohe Verbreitung des Internets und die hohe Verfügbarkeit von Kreditkarten erweisen sich dabei als äußerst günstige Faktoren. Dasselbe gilt für die hohe Anzahl der sicheren Internet-Server pro tausend Einwohner sowie die hohe Zuverlässigkeit der Paketzusteller in Luxemburg.

Städte brauchen Zukunftsvisionen

Städte und Gemeinden stehen längst nicht auf verlorenem Posten, müssen aber die Entwicklungen unserer Zeit im Blick haben und nicht nur darauf reagieren, sondern als innovativer Akteur auf den Plan treten. Aus Sicht der Kommunen ist es daher essenziell, die eigene Situation richtig zu erfassen und daraus konkrete Zukunftsvisionen abzuleiten. Nur diejenigen Städte, die heute schon bereit sind, an Konzepten für Morgen zu arbeiten, werden die Zukunft positiv für sich gestalten können. Smarte Handelskonzepte, die die Symbiose aller am Handel beteiligten Akteure und Funktionen berücksichtigt, stellen in diesem Zusammenhang eine große Chance dar.